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Notationen aus der chinesischen Vergangenheit I

Der Flughafen von Lijiang besteht, wie die meisten chinesischen Inlandsflughäfen in ländlicher Gegend, aus einem abstrus monströsen Terminalgebäude, in diesem Fall größtenteils aus den Elementen „weiß gestrichener Beton“ und „bläulich schimmernde Glaspaneele“ zusammengesetzt, sowie einem aus genormten Asphaltplatten bestehenden Rollfeld, auf dem vergilbte Grasbüschel, die aus schartigen Fugen sprießen, im lauen Wind des Hochplateaus die Beschaffenheit des gerade aktuell Vorhandenen abnicken.

Die groteske Überdimensionierung besagten Terminalgebäudes verdeutlicht sich in seinem Inneren, das aus einem einzigen, mit rötlich schimmerndem Marmorimitat ausgekleideten Saal besteht, in dem sich, verlorenen Hütten gleich, eine Sicherheitskontrolle mit genau einem Metalldetektor sowie ein zehn Quadratmeter großer Souvenirladen, dessen Sortiment hauptsächlich aus Plastikspielzeug und bemalten Raubvögeln aus Ton besteht, befinden, noch viel unleugbarer als von außen betrachtet, wo die Ausläufer des Himalajas und die Weite der Landschaft sie auf ein erträgliches Maß relativieren.

Als der Flug nach Guangzhou sich um weitere zwei Stunden verspätet, wird durch ein Milchglasfenster in einer Seitenwand Reis mit einer Sauce aus Leim und Ketchup an die Wartenden ausgegeben, die kurz ihren Unmut vergessen, gekaufte Tonadler und Hello Kitty-Digitalwecker beiseite legen und genau so lange das Zetern einstellen, bis das letzte Reiskorn aus der verklebten Ecke des laminierten Pappkartons verspeist wurde. Der Beschaffenheit von Essen und Verpackung nach zu urteilen, handelte es sich um Bestände aus dem Catering der China Airlines.

Diese Fluggesellschaft wird oft und gerne mit Air China verwechselt, was einer der beiden wirklich großes Unrecht tut, wie sich in der Praxis bald herausstellt, so dass besagte Verwechslung zumeist nur dem unerfahrenen Asienreisenden unterläuft, ihm jedoch alsbald vom Rundum-Sorglos-Paket der China Airlines wieder gründlich exorziert wird. Wir aber flogen an jenem Tag mit Air China, irgendwann am späten Nachmittag, es gab noch Kekse und Tee, bevor wir über das endlos sich erstreckende Flugfeld zu der bauchigen Kleinmaschine wanderten, unter deren Tragflächen das örtliche Bodenpersonal gerade irgendetwas mit bunten Bändern aus Bast festknotete.

In Guangzhou dann aßen wir Fisch, der nach Torf schmeckte und tranken Wodka Martini in der Bar des Ritz Carlton, während draußen vor den Panoramafenstern grell leuchtende Neonschiffe eine endlose Parade schillernder Reflexionen im feinen Abendnebel über dem Perlfluss erzeugten.

 

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