— Paragraphien

Zentralmassiv

Das Pekinger Stadthofhaus von Blixa Bargeld. Die Saturiertheit des Geistes und der Zustände. Ich bin unterwegs in einer Melange aus Jetlag und Alkohol, aus Flugangst und Misantrophie. Und den Herd hat auch wieder niemand ausgestellt. Fahrstuhl, Taxi, Gepäckwagen, Verlust jeglicher Contenance. Der Sprung an den Hals des nächstbesten Unverantwortlichen.

[…] Denn alles, was gedacht wird, ist überflüssig. Die Natur braucht das Denken nicht, sagt Oehler, nur der menschliche Hochmut denkt sein Denken ununterbrochen in die Natur hinein. Was uns durch und durch deprimieren muß, ist die Tatsache, daß wir durch dieses unverschämte Denken in die gegen dieses Denken naturgemäß völlig immunisierte Natur hinein nur immer noch in eine größere Deprimation hineinkommen, als die, in der wir schon sind. Die Zustände werden durch unser Denken naturgemäß, sagte Oehler, zu immer noch unerträglicheren Zuständen. Denken wir, wir machen die unerträglichen Zustände zu erträglichen Zuständen, so müssen wir bald einsehen, daß wir die unerträglichen Zustände nicht zu erträglichen und auch nicht zu erträglicheren Zuständen gemacht haben (machen haben können), sondern nur noch zu noch unerträglicheren Zuständen. Und mit den Umständen ist es wie mit den Zuständen, sagte Oehler, und mit den Tatsachen ist es dasselbe. Der ganze Lebensprozess ist ein Verschlimmerungsprozess, in dem sich fortwährend, dies Gesetz ist das grausamste, alles verschlimmert. […]

Thomas Bernhard – Gehen